Die Alpen
Allgemeines zu den Alpen
Die Alpen habe ich durch mein Geologie-Studium ein wenig kennengelernt.
Theoretisch befasst sich wohl jeder Geologe während seines Studiums mit dieser
geographisch (und geologisch) bedeutenden Region Mitteleuropas, spätestens während der
Diplomprüfungen. Praktisch hat sich mein Wissen im Jahr 2000 durch eine zweiwöchige
Geländeexkursion in Kärnten erweitert.
Geologie der Alpen
Im Laufe der Vorbereitung für meine Diplomprüfungen habe ich mir folgende
Informationen über die Alpen zusammengestellt. Quellen waren verschiedene Webseiten
und einige Bücher, sowie Vorlesungsmitschriften.
Das Variszikum der Ostalpen
Das Paläozoikum der Westalpen ist durch Metamorphose unkenntlich, während es in
den Ostalpen und Südalpen nicht bis schwach metamorph ist. In den Ostalpen findet man
im Norden kristalline Serien (heute Zentrum der Ostalpen), die dem Moldanubikum
entsprechen. Weiter südlich tritt schwächer metamorphes Paläozoikum auf. Im Süden
(Karawanken und Karnische Alpen) findet man nichtmetamorphes Paläozoikum mit
fossilführendem Alt- und Jungpaläozoikum. Die variszische Orogenese findet man im
Bereich der ostalpinen Kristallinmasse in Kärnten und der Steiermark. Die
Auernigschichten des Stefan repräsentieren spätvariszische Molasse.
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Faziesräume der Alpen
In den Alpen werden folgende Einheiten unterschieden:
Außeralpines Kristallin
Das außeralpine Kristallin unterlagert die Molasse am Nordrand der Alpen.
Es besteht aus moldanubischem Kristallin (Fortsetzung des Schwarzwaldes und der
Böhmischen Masse). Ab dem tieferen Oligozän kam es zur Orogenese im helvetischen
Bereich mit einer Überschiebung des Penninikums und des Ostalpins. Dadurch stieg
der Alpenkörper auf. Gleichzeitig bildete sich am Nordrand der Alpen das nordalpine
Molassebecken durch Absenkung aufgrund der herannahenden Oberplatte (Adriatische Platte).
Im Norden kam es zur Bildung der autochthonen Vorlandmolasse in einer
flachen Geosynklinale, die am Südrand weit aufgebogen war. Der Untergrund besteht
aus moldanubischem Kristallin. Am Alpenrand findet man einen 5 bis 15 km breiten
Übergang aus Faltenmolasse. Im Süden bildete sich die allochthone subalpine Molasse,
die unter den Decken des Helvetikums und des Penninikums begraben ist. Das Molassebecken
wanderte im Verlauf der Orogenese nach Norden. Die Sedimentationsräume waren
Schwemmfächer, Flussniederungen, Seen, Deltas, paralische (küstennahe) und flachmarine
Faziesräume. Man unterscheidet die Untere Meeresmolasse (z.B. Deutenhauser Schichten),
die Untere Süßwassermolasse, die Obere Meeresmolasse und die Obere Süßwassermolasse.
Helvetikum und Ultrahelvetikum
Das Helvetikum tritt in den äußeren Bereichen der Französischen und Schweizer
Alpen sowie als kleiner Streifen ohne Trias am Außenrand der Ostalpen auf. Ursprünglicher
Sedimentationsraum war der Schelf der Europäischen Platte. Das Ultrahelvetikum ist der
Übergangsbereich zwischen Helvetikum und Penninikum (mergelreiche Fazies). Im Folgenden
wird die chronologische Entwicklung des Helvetikums und Ultrahelvetikums zusammengefasst:
Perm: Es gab mehrere Becken mit Rotsedimentation.
Trias: Die Trias wurde in germanischer Fazies innerhalb Pangäas abgelagert.
Jura/Kreide: Das nördliche Helvetikum besteht aus lückenhaften neritischen (flachmarinen)
Ablagerungen, das südliche aus vollständigeren bathyalen.
Obereozän: Es kam zur Überschiebung der Adriatischen Platte über die Europäische Platte.
Der ultrahelvetische und penninische (Rhenodanubischer Flysch) Flysch wanderten etwa 1000m
auf das Helvetikum. Durch Subduktion des Grundgebirges kam es zur Ablösung des Helvetikums
vom mesozoischen und alttertiären Untergrund. Es bildeten sich im Eozän Nummulitenkalke.
Miozän: Es folgte die Überschiebung des Helvetikums über die subalpine Molasse.
Ost- und Südalpin
Die Heimat des Ostalpins und des Südalpins ist die
Adriatische Platte. Die Sedimentationsräume lagen relativ nah an der Tethys. Am nächsten
lagen dabei die Karnischen Alpen und die Karawanken, die schon im Stefan marine Sedimente
aufnahmen.
Ordovizium: In den Karawanken und den Karnischen Alpen bildeten sich Grauwacken und
im Oberordovizium saure Vulkanite (300 m Mächtigkeit) gefolgt von
Karbonatsedimentation.
Silur: In den Karawanken und Karnischen Alpen bildeten sich Kalke.
Devon: In den Karawanken und Karnischen Alpen entstanden Cephalopodenkalke und Riffe
aus Korallen, Stromatoporen und Bryozoen.
Karbon: Im Vise bildete sich in den Karawanken und Karnischen Alpen durch den
Beginn der variszischen Orogenese eine Flyschfazies aus (Hochwipfelschichten). Im
Stefan findet man die Auernigschichten. Sie entstanden am nordwestlichen Rand des
Tethysschelfs und weisen eine rhythmische Wechsellagerung aufgrund glazio-eustatischer
Meeresspiegelschwankungen auf. Die marinen Schichten beinhalten Algen, Fusulinen und
Brachiopoden, die terrigenen Schichten Konglomerate und Sandsteine mit pflanzenführenden
Schiefern und Kohleflözen.
Unterperm: Im Bereich der Karnischen Alpen und der Karawanken bildeten sich
Karbonatplattformen (Trogkofelkalk) und Bellerophonschichten. Im restlichen Südalpin
und gesamten Ostalpin bildete sich die intrakontinentale Rotliegendfazies des
Permoskythsandsteins (Verrucano). Als Ausklang der Variszischen Orogenese waren in
die Permischen Schichten vulkanische Serien eingeschaltet (Bozener Vulkanitplatte,
Unterperm).
Mittelperm: In den Karnischen Alpen und Karawanken kam zu einer Regression mit
Bildung des Grödener Sandsteins.
Trias: Das Einflussgebiet der Tethys weitete sich aus.
Skyth: Das Ostalpin war marin (Südalpin kalkreiche, Ostalpin sandige Werfener Schichten).
In den Randgebieten des Ostalpins und im Südalpin sedimentierten Buntsandstein und
Quarzite. Im Ostalpin folgte der Gutensteiner Kalk.
Anis: Aufgrund der Muschelkalk-Transgression waren sowohl das Ostalpin als auch das
Südalpin marin.
Mittlere Trias: Im Ostalpin und Südalpin bildeten sich Karbonatplattformen mit
Riffen. Dies wurde unterbrochen durch die Karnische Regression (Raibler Schichten).
Im Südalpin bildeten sich Schlern- und Hauptdolomit, in Nördlichen Kalkalpen
(Oberostalpin)der Wettersteinkalk, die Lunzer Schichten und der Dachsteinkalk bzw.
Hauptdolomit (Lagune). Zwischen den Riffen bildeten sich Rinnen aus (Hallstätter Fazies).
Die alpine Trias des Ostalpins und Südalpins ist 4000 m mächtig. Dies ist durch
langanhaltende Schelfabsenkung am passiven Kontinentalhang im Westen der Tethys
möglich. In der mittleren Trias bildeten sich im Südalpin (und Ostalpin) basische
Vulkanite, die mit dem Aufbrechen Pangäas in Verbindung stehen.
Jura: Der Südpenninische Ozean öffnete sich. Die Karbonatplattform zerriss zu
einem absinkenden Schollenmosaik. Im Oberjura und in der Unterkreide kam es zur
Expansion des Südpenninischen Ozeans. Im Ostalpin und Südalpin bildeten sich
pelagische Sedimente, erst Radiolarite, dann Aptychenkalke und Foraminiferenkalke.
Im Ostalpin bildeten sich Adneter Kalk und Kieselkalke gefolgt von Radiolariten
und Kieselschiefern.
Unterkreide: Durch Konvergenz der Europäischen Platte und der Adriatischen Platte
kam es zu Grobschüttungen (Olisthostrome). Im Coniac bildeten sich im altalpinen Orogen
Innenbecken, deren Füllung Gosau genannt wird. Es handelt sich dabei erst um Molasse
und dann durch Vertiefung um flyschähnliche Turbidite. Das Ostalpin wurde weiter
herausgehoben, während das Südalpin bis in Tiefen der Flyschsedimentation absank.
Darüber bildete sich im Oligozän und Miozän Molasse.
Tektonik der Südalpen
Zu den Südalpen gehören die Dolomiten, die Südkarawanken und die Karnischen Alpen.
Die Südalpen sind im Norden durch das Periadriatische Lineament begrenzt. Im Oligozän
kam es am Periadriatischen Lineament zu einer vertikalen Krustenbewegung von mehreren
km und zu einer horizontalen Bewegung von 300 bis 500 km. In den Südalpen findet man
vor allem südgerichtete Überschiebungen. Die Südtiroler Dolomiten sind nur schwach
verbogen. Insgesamt bestehen die Südalpen aus einer nach Süden geneigten Oberplatte
(20 km). Im Norden treten variszische Gesteine hervor, im Süden Jura, Kreide und
Tertiär. Die Unterkruste reicht bis 30 km Tiefe und ist unterlagert vom oberen
Mantel der Adriatischen Platte. In 60 km Tiefe befindet sich die Grenze zur
Europäischen Platte.
Deckenbau der Ostalpen
Die Ostalpen repräsentieren die Front der Adriatischen Oberplatte. Diese hat die
Europäische Unterplatte um mindestens 2/3 der Alpenbreite überfahren. Das Ostalpin wird
unterteilt in Unterostalpin, Mittelostalpin und Oberostalpin. Das Unterostalpin besteht
im Osten aus germanischem Keuper. Das restliche Unterostalpin und das Mittelostalpin
besteht aus geringmächtigen Ablagerungen der zentralalpinen Trias. Das Oberostalpin
weist Riff- und Lagunensedimente auf. Grundgebirge des Unterostalpins sind Quarzphyllite
und variszische Granite. Das Grundgebirge des Mittelostalpins ist mittel-
bis hochmetamorphes Altkristallin. Das Grundgebirge des Oberostalpins sind nicht-
bis schwachmetamorphe altpaläozoische Serien. Das Unterostalpin tritt als Umrahmung
der Penninischen Fenster auf. Das Mesozoikum des Oberostalpins bildet die Nördlichen
Kalkalpen, das Altpaläozoikum die Nördliche Grauwackenzone. Innerhalb der Grauwackenzone
bildeten sich permische Evaporite, die als Gleitdecke für die Kalkalpen dienten.
Desweiteren tritt der Blasseneckporphyr in der Norischen Decke auf. Auch findet man
Siderit und Graphit. Die Nördlichen Kalkalpen sind in Teildecken gegliedert und von
den Grauwacken abgeschert. Sie sind über den Rhenodanubischen Flysch und das
Helvetikum nach Norden geschoben. Kalkalpen, Helvetikum und Rhenodanubischer Flysch
sind zusammen über die subalpine Molasse verschoben. Die Nördlichen Kalkalpen haben
insgesamt 1000 km zurückgelegt.
Obere Unterkreide/Untere Oberkreide: Der ostalpine Raum wurde in drei Einheiten
zerlegt und zusammengeschoben (vorgosauische Orogenese).
Eozän: Die Decken überfuhren den Rhenodanubischen Flysch und erreichten die Europäische
Platte (jungalpidische Orogenese).
Oberes Oligozän/Unteres Miozän: Die Nördlichen Kalkalpen erreichten ihre heutige Lage
durch Abrutschen auf dem Gefälle, das durch die Aufwölbung des Penninikums entstanden
war. Im Mesozoikum der Ostalpen finden sich Kalke des Schelfbereiches der südlichen
Tethys (Riffkalke, Adneter Scheck). Das Oberostalpin wird in vier Decken untergliedert.
Dies sind vom Liegenden ins Hangende die Allgäudecke, die Lechtaldecke, die Inntaldecke
und die Krabachjochdecke.
Penninikum
Das Penninikum tritt in den Westalpen und in Fenstern der Ostalpen auf. Man
unterscheidet das Südpenninikum (Piemontais-Zone), das Mittelpenninikum
(Briançonnais-Zone) und das Nordpenninikum (Valais-Zone). Das Südpenninikum
besteht aus Resten des Südpenninischen Ozeans. Nördlich davon (und jetzt tektonisch
darunter) bildete sich das Mittelpenninikum als kontinentale Hochzone. Das
Nordpenninikum entwickelte sich in einem tieferen Sedimentationsraum. Es besteht
aus Paläozoikum und variszischem Kristallin.
Trias: Im Mittelpenninikum entwickelte sich alpine Trias, im Nordpenninikum
germanische Trias.
Jura: In den tieferen Ablagerungsräumen des Nordpenninikums und Südpenninikums
bildeten sich Bündner Schiefer und Radiolarite. Dazwischen befand sich die Hochzone
des Mittelpenninikums mit Inseln und Flachwassersedimenten.
Oberkreide: Durch das Absinken des Mittelpenninikums kam es in der Oberkreide zur
Bildung von Foraminiferenkalken und ab dem Paläozän zur Flyschbildung. Diese
Flyschbildung setzte im Nordpenninikum und Südpenninikum bereits in der mittleren
Kreide ein. Der Flysch ist immer marin und synorogen. Er wandert mit der Orogenese
nach außen. Er besteht aus einer rhythmischen Wechsellagerung von Psammiten
(Grauwacken, Sandsteine, Kalke) und Peliten. Die Zufuhr erfolgt über Trübeströme.
Eozän: Die Flyschsedimentation endete, da ostalpine Decken über das Penninikum
überschoben wurden. Die Gesteine des Penninikums sind regionalmetamorph überprägt.
Das Südpenninikum besteht aus schistes lustres (Bündner Schiefer, Obere Schieferhülle;
Pelite) und aus der metamorphen ozeanischen Kruste. Zusammen mit den nordpenninischen
Basalten bildeten sich Ophiolithkörper, die innerhalb der oberen Schieferhülle
auftreten. Das variszische Grundgebirge erfuhr eine neue alpine Metamorphose. Das
Südpenninikum in den Ostalpen erscheint im Engadiner Fenster (Hochpenninikum und
tiefer), im Tauernfenster (Hochpenninikum bis variszisches Grundgebirge der
Europäischen Platte) und im Rechnitzer Fenster. Umstritten ist die Fortsetzung des
Nordpenninikums nach Osten in Form des Rhenodanubischen Flysches. Durch die
Subduktion des Südpenninikums schob sich die Oberplatte an der südpenninischen Naht
über die Unterplatte. Variszische und postvariszische Elemente wurden einheitlich
metamorphisiert und dann gefaltet. Bei der Metamorphose kam es zur Bildung von
Eklogiten und Glaukophanschiefern. Diese Glaukophanschiefer treten im Hochpenninikum
und Unterostalpin der Westalpen und im Hochpenninikum des Tauernfensters auf.
Orogeneseablauf: In der Unter- bis Oberkreide wurde der Südpenninische Ozean
subduziert. Im Eozän wurde der nordpenninische Ozean eingeengt und subduziert.
Im Tauernfenster findet man Gneise, Phyllite, Quarzite, Augengneise (Zentralgneis)
und variszische Granitintrusionen. Desweiteren treten Serpentinit und Grünschiefer
des Ophiolithkomplexes auf.
Alpine Orogenese
Die Südalpine Oberkruste ist in Decken nach Süden verschuppt, während die
Unterkruste keilförmig nach Norden unter die penninischen Decken und über die
europäische Moho greift. Ost- und Südalpin gehören zum Adriatischen Kontinent und
Helvetikum und Nord- und Mittelpenninikum bilden das europäische Gegenstück. Im
Jura bildeten das Ost- und Südalpin nach Aufreißen des Südpenninischen Ozeans
passive Kontinentalränder der Adriatischen Platte. Ab der Unterkreide entwickelten
sich aktive Kontinentalränder mit weitgehender Subduktion des Südpenninischen Ozeans.
In der Oberkreide kam es zur Kollision der Adriatischen Platte mit vorgelagerten
Randeinheiten der Europäischen Platte unter Bildung des altalpinen Orogens
(Deckenbewegung in den Ostalpen). Im Obereozän überfuhren Ostalpin und Südalpin die
Europäische Platte (jungalpidische Orogenese). Der Kontinentalrand der Europäischen
Platte (Kruste und permomesozoische-alttertiäre Sedimente) wurde unter die ostalpinen
Decken geschoben. Zurückzuführen sind die Bewegungen der Alpinen Orogenese auf die
Öffnung des Nordatlantiks.
Literatur
Faupl,P. (2000): Historische Geologie.-UTB, Wilhelm Fink Verlag, 270 S.
Hennigsen, D. & Katzung, G. (1998): Einführung in die Geologie Deutschlands.-Enke Verlag, 244 S.
Walter, R. (1995): Geologie von Mitteleuropa.- Schweitzerbart'sche Verlagsbuchhandlung, 566 S.
Schönenberg, R. & Neugebauer, J. (1997): Einführung in die Geologie Europas.- Rombach Verlag, S. 190-222
Krömmelbein, K. (1991): Brinkmanns Abriss der Geologie, Historische Geologie.- Enke Verlag, 404 S.
Frisch, W. & Loeschke, J. (1993): Plattentektonik.- Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, S. 191-204
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