Cnidaria
Besonderes Merkmal der Cnidaria sind die Nesselzellen (Cniden, Nematocysten).
Diese dienen dem Beutefang und der Verteidigung. Die enthaltenen Fäden können
kleben, die Haut aufritzen und Gift einbringen. Die Zellen sitzen in der Epidermis
und werden immer wieder neu gebildet. Das Gift kann zum Teil auch für Menschen
tödlich sein. Die meisten Formen sind marin.
Es gibt sessile und vagile Formen. Die Cnidaria treten als Medusen (Qualle;
schwimmfähiges Stadium; vegetatives Stadium) oder Polypen (standortgebunden;
pelagisches Stadium) auf. Es gibt einen metagenetischen Generationswechsel, also
einen Wechsel zwischen vegetativer und sexueller Vermehrung. Meduse und Polyp
sind vom generellen Aufbau her sehr ähnlich, ihre Lebensweise unterscheidet sich
jedoch stark. Cnidaria haben zwei Epithele, ein Endoderm und ein Ektoderm.
Systematik:
- Animalia
- Parazoa
- Eumetazoa
- "Coelenterata"
- Ctenophora
- Cnidaria
- Hydrozoa (Präkambrium - rezent)
- Hydra (rezent)
- Millepora (Oberkreide - rezent)
- Scyphozoa (Präkambrium - rezent)
- Conulata: Conularia (Oberkambrium - Perm)
- Anthozoa
- Cerinthipatharia (?Präkambrium/Miozän - rezent)
- Octocorallia (?Präkambrium/Perm - rezent)
- Alcyonium (rezent)
- Tubipora (Miozän - rezent)
- Heliopora (Oberkreide - rezent)
- Corallium rubrum (rezent)
- Gorgonia (rezent)
- Hexacorallia, Madreporaria
- Rugosa (?Kambrium/Ordovium - Perm)
- Calceola (Unterdevon - Mitteldevon)
- Lithostrothion (Unterkarbon - Perm)
- Tabulata (?Kambrium/Ordovizium - Perm)
- Favosites (Oberordovizium - Mitteldevon)
- Halysites<(Mittelordovizium - Silur)
- Scleractinia, Hexacorallea, Cyclocorallia (Obertrias - rezent)
- Thecosmilia (Trias - Eozän)
- Placosmilia (Unterkreide - Eozän)
- Fungia (Miozän - rezent)
- Cyclolites (Unterkreide - Eozän)
Aufbau
Den Körper der Medusen bildet eine gallertartige, wasserhaltige Masse.
Die Oberseite wird Exumbrella genannt, die Unterseite Subumbrella. Am Rand kann sich
ein Band, das Velum, bilden. Der Mund der Meduse befindet sich an einem schlauchartigen
Auswuchs, dem Manubrium. Die Medusen besitzen Längs- und Quermuskeln, manche
Lichtsinnesorgane und Schweresinnesorgane.
Aus einem sessilen Polypen werden durch ungeschlechtliche Teilung (bei den Scyphozoa
Strobilation) Gameten gebildet. Diese pflanzen sich geschlechtlich fort. Aus dem
entstehenden Ei bildet sich die Blastula-Larve. Diese entwickelt sich zur Planula-Larve
mit Wimpernkranz und anschließend zur Actinula-Larve, aus der Medusen oder Polypen
entstehen können.
Klassen
Scyphozoa
Die Scyphozoen sind tetramer-symmetrisch, d.h. der Polyp hat vier Septen. Er hat keine
Gonaden, aber ein Netznervensystem. Die Meduse besitzt entodermale Gonaden, ein
Doppelringnervensystem und als Sinnesorgan ein Rhopallium.
[Ein Rhopallium weist Lichtsinnesorgane (Ocellen, Becheraugen) mit ciliären
Lichtsinneszellen und zwei mit Sinnesepithel ausgekleidete Gruben auf. Es handelt
sich um ein Lichtsinnesorgan, aber auch um einen statischen sinn. Es kann die Richtung
des Lichtes und Oben-Unten bestimmt werden.]
Der Generationswechsel erfolgt bei den Scyphozoen durch Strobilation. Dabei bilden
sich durch Einschnürungen des Polypen die Ephyra-Larven.
Hydrozoa
Zu den Hydrozoen ist die Hydra zu zählen. Sie ist die einzige, die auch in Süsswasser
lebt. Hydrozoen weisen einen ungegliederten Gastralraum auf. Sie sind 2 bis 6 mm klein.
Es findet ein Generationswechsel zwischen Medusen und koloniebildenden Polypen statt.
Anthozoa
Anthozoa umfassen zwei Drittel aller rezenten Arten der Cnidaria. Die Anthozoen sind
im weiteren Sinne die Korallen (Blumentiere). Sie kommen ausschließlich marin vor und
leben sessil. Sie bilden keine Medusenstadien. Der Gastralraum des Polyps ist gegliedert
in 4, 6, 8 oder mehr Radialkammern. Er hat Gonaden und ein netzförmiges Nervensystem.
Die Unterteilung des Gastralraumes findet durch die sogenannten Mesenterialfächer statt.
Bei allen Anthozoen sind Muskelfasern bilateralsymmetrisch angeordnet und verlaufen
innerhalb der Mesenterien.
Zusammenfassung
Lebensweise:
aquatisch, sessil und vagil
Fortpflanzung:
geschlechtlich oder durch Knospung bzw. Strobilation
Beispiele
- Millepora:
Millepora ist eine Feuerkoralle. Sie lebt im Riffkern bei hoher Wasserbewegung.
- Conularia:
Conularia ist tetramer. Sie hat Mündungslappen, die hineingeklappt werden können und mit denen sich der Polyp in sein Gehäuse zurückziehen kann. Bei rezenten Formen gibt es einige, die keine medusen mehr bilden. Das Skelett des Polypen besteht aus Chitin.
Literatur
Lehmann, U. & Hillmer, G. (1997): Wirbellose Tiere der Vorzeit.- Enke Verlag, S. 55-75
Lehmann, U. (1996): Paläontologisches Wörterbuch.- Enke Verlag, 277 S.
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