Foraminifera

Foraminiferen sind tierische Einzeller. Es gibt planktische und benthische Foraminiferen. Sie leben vorwiegend marin. Benthische Foraminiferen traten seit dem Kambrium auf, planktische seit dem Mesozoikum. Planktische Foraminiferen leben in lichtdurchfluteten Bereichen (0 - 150 m Wassertiefe). Sie vermehren sich nur sexuell, nicht asexuell.


Systematik:

  • Eukariota
    • Protista
      • Protozoa
        • Rhizopoda
          • Foraminiferida
            • benthisch
            • planktisch

Bei den planktischen Foraminiferen gibt es drei Familien, 12 - 14 Gattungen und etwa 40 - 45 Arten.


Entwicklung

Entwicklungsstadien der planktischen Foraminiferen:

  • Prolocularstadium
    Ein Elterntier teilt sich zu Tochtertieren mit haploidem Chromosomensatz. Dieses trifft auf ein zweites Tochtertier mit haploidem Chromosomensatz. Nach der Vereinigung der beiden besitzen sie den erforderlichen diploiden Chromosomensatz. Dies bildet dann eine Zygote. Anschließend ist es ein Proloculus. Es ist einkammerig und 10 - 20 µm groß.
  • Juveniles Stadium
    Im Juvenilstadium ist die Foraminifere 20 - 100 µm groß. Dieses stadium dauert solange an, bis eine Kammer gebaut wird, die anders aussieht. In diesem Stadium gibt es keine Poren, außer in den Suturen.
  • Neamisches Stadium (~150µm)
    Dieses Stadium beginnt ab der ersten Kammer, die anders aussieht. Dies kann zum Beispiel das Auftreten von Stacheln oder tiefen Poren (Kavernen) sein. Es ist das Stadium des Heranreifens.
  • Adultes stadium (>200µm; max. 500-600µm)
    Dieses Stadium ist erreicht, wenn alle Merkmale der Art ausgebildet und erkennbar sind.
  • Terminalstadium/Reproduktionsstadium
    Es kommt zur Bildung einer besonderen Kammer oder eines besonderen Merkmals, z.B. der Sackkammer, Bulba. Das gesamte Cytoplasma wird auf die Nachkommen (Gameten) aufgeteilt. Es kommt zur Auflagerung von CaCO3 an die Schale. Da alle Foraminiferen zugleich in dieses Stadium kommen, herrscht im umgebenden Milieu ein Mangel an Kalziumkarbonat. Das Kalziumkarbonat für den Bau der Sackkammer stammt aus dem Abbau der Stacheln. Die Anlagerung führt zur Gewichtszunahme und dem Absinken der Foraminifere in eine andere Tiefe als die, in der sie gelebt hat.

Fortbewegung

Die meisten Foraminiferen besitzen Pseudopodien. Zum einen gibt es Rhizopodien (Wurzelfüßchen), die zum Kriechen in einem Zick-Zack-Kurs dienen. Bei der Netzwerkbildung von Rhizopodien spricht man von Anastomose. Philopodien sind riesige Bündel, mit denen sich die Foraminifere am Substrat festheften kann und somit kurzzeitig sessil ist. Axopodien sind Vorläufer der Stacheln, daher nur bei Foraminiferen zu finden, die auch bestachelt sind. Die einzelnen Stacheln sind von Cytoplasma umgeben. Dies zeichnet sich schon bei den Axopodien stark ab. Pseodpodien dienen nicht nur zur Fortbewegung sondern auch zum Einfangen von Nahrung.


Symbiosepartner

Chrysophyten oder Dinoflagellaten dienen als Symbiosepartner. Bei Licht ist das Cytoplasma außen und damit auch die Symbiosepartner, die dann Photosynthese betreiben. Nachts wird das Cytoplasma mit den Symbiosepartnern in das Innere der Schale geholt. Die Dinoflagellaten können sich nicht mehr selber bewegen, sondern werden tarnsportiert.

Symbionten im Inneren eines Gehäuses nennt man Endosymbionten. Dies funktioniert nur bei hyalinschaligen, nicht aber bei agglutinierten Foraminiferen. Symbionten können nicht auf die Gameten übertragen werden. Die Symbionten werden vor der Reproduktion verdaut.

Manche Foraminiferen fressen Algen, die Chloroplasten enthalten. Die Chloroplasten bleiben erhalten und betreiben in der Foraminifere Photosynthese.


Beispiele

  • Bolivina beyrichi:
    Sie lebt benthisch und besteht aus CaCO3. Sie ist hyalinschalig (=glatt, glänzend, durchsichtig). Sie sind biserial (=zweireihig) und rectilinear (=gerade wachsend) aufgebaut. Die einzelnen Kammern sind miteinander durch Mündungen verbunden. Dadurch kann das Cytoplasma alle Kammern durchströmen, befindet sich jedoch auch außen. Es handelt sich also eigentlich nicht um eine Schale, sondern um ein Skelett. Die Mündung liegt terminal und ist breitschlitzförmig mit Wülsten. Die Schale enthält Poren, aber keine Skulpturen. Die Gehäuse sind 520 - 690 µm lang und 190 - 340 µm breit.
  • Melonis affine
    Diese Foraminifere ist planspiral und die Schale ist hyalin und besteht aus CaCO3. Das Gehäuse ist involut (=nur der jüngste Wirbel ist sichtbar) eingerollt mit einem Nabel in der Mitte. Die jüngste Kammer ist sichtbar, die älteste liegt im Inneren und somit nicht sichtbar. Die Mündung liegt biumbikulat und ist halbmondförmig. Die Schale hat Poren. Die Gehäuse haben einen Durchmesser von 130 - 310 µm.
  • Gyoridina soldanii
    Die Schale besteht aus CaCO3 und ist opaque (=weiß, glänzend, milchig). Das Gehäuse ist aufgerollt, mit einer involuten (Umbrical-) Seite und einer evoluten (Spiral-) Seite. Es ist stark trochospiral. Die Mündung ist schlitzförmig und liegt interio-marginal. Die Schale hat keine Poren und Skulpturen. Der Durchmesser der Gehäuse liegt bei 220 - 380 µm.

Literatur

Lehmann, U. & Hillmer, G. (1997): Wirbellose Tiere der Vorzeit.- Enke Verlag, S. 23-39

Lehmann, U. (1996): Paläontologisches Wörterbuch.- Enke Verlag, 277 S.

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