Jura (206 bis 144 Ma)
Herkunft des Namens:
Nach dem Schweizer Jura
Paläogeographie global:
Der Superkontinent Pangäa brach, wie sich schon in der Trias ankündigte, im frühen Jura durch das Riftsystem zwischen
Nordamerika und Nordwestafrika weiter auseinander. Durch die Öffnung eines dieser
Riftarme kam es im Jura zur Öffnung des Nordatlantiks. Gondwana zerfiel in Ostgondwana
und Westgondwana. Im Zusammenhang mit dieser Trennung kam es zur Bildung von
Plateaubasalten (Karroo)und der Geburt des Indischen Ozeans. Der Pazifik zeichnete
sich bereits in seiner heutigen Umgrenzung ab. Der indische Subkontinent driftete auf
Asien zu. Rund um den Pazifik kam es zur Gebirgsbildung (Zirkumpazifische Orogenese bzw.
Kimmerische Faltung). Japan entstand. Nordamerika wurde von der Arktis her überflutet,
die Kordilleren falteten sich auf. Die Subduktion der pazifischen Platten unter den
Westrand Südamerikas begann, wodurch die Auffaltung der Anden einsetzte.
Paläogeographie Mitteleuropa:
In Mitteleuropa kam es im unteren Jura zu ausgedehnten Überflutungen, nur die
Ardennen und das Rheinisches Schiefergebirge blieben Festlandsinseln. Die heutige
Atlantikküste in der Bretagne war damals Westufer eines großen Meeresbeckens. Teile
der Nordsee, Dänemarks und der südlichen Ostsee waren ebenfalls Festland.
Meeresverbindungen zur Tethys bestanden südlich von Böhmen und über das Baltikum
hinaus nach Russland.
Außeralpin:
Lias: Festländer waren das Böhmisch-Vindeliszische Land (um Prag, München, Wien),
das London-Brabanter Massiv (London, Brüssel), das Rheinische Massiv (um Bonn), und
das Armorikanische Massiv. Im Norden wurden überwiegend schwarze Tonschiefer abgelagert,
im Süden Karbonate, die zum Teil fossilreich waren (Posidonienschiefer).
Dogger: Das Vindeliszische Land und die Böhmische Masse trennten sich. Im Bereich
der Nordsee kam es zum Doming durch frühes Rifting. Es kam zur Ablagerung von Sandsteinen,
Tonen, Mergeln und Eisenoolithen (Lothringen).
Malm: Die Mitteldeutsche Landschwelle entwickelte sich (vom Brabanter Massiv bis zum
Rheinischen Massiv und zur Böhmischen Masse). Dadurch kam es zur Teilung in eine
norddeutsches und ein süddeutsches Epikontinentalmeer. Im Nordseebecken kam es während
des Dogger durch das Doming zur Verlandung, während es im Malm durch Grabenbildung in
der Riftphase zur Bildung klastischer Tiefwassersedimente kam. In Osteuropa bildete
sich ein kalkarmer borealer Jura, in Mittel- und Westeuropa kalkreiche Sedimente. In
Süddeutschland war das Jurameer mit der Tethys verbunden und es bildeten sich gebankte
weiße Kalke und Riffe (Schwämme im Oxford, danach Korallenriffe). In der Fränkischen
Alb bildeten sich in einer Lagune die Solnhofener Plattenkalke. Im Obertithon kam es
zur Regression. Am Ende des Jura wurden die Mittelgebirge (Weserbergland, Harz)
herausgehoben. Zunehmender Vulkanismus leitete den Beginn der alpidischen Orogenese
im Bereich der Alpen, Südspaniens und Nordafrikas ein. Durch die Kollision von Afrika
mit Europa wurde im oberen Jura die Tethys stark eingeengt und die Faltung der
alpidischen Gebirge (Alpen, Pyrenäen, Karpaten, Kaukasus) begann.
Alpen
Klima:
Während des frühen Jura war das Innere des Superkontinentes Pangäa extrem trocken
und extrem heiß. In den Küstenregionen gab es gigantische Wolkenbrüche die
katastrophale Überflutungen verursachten. Der Nordpol lag in der Arktis, der Südpol
im Meer vor der Westantarktis, der Äquator näherte sich der heutigen Lage. Im mittleren
Jura existierten keine deutlich differenzierten Klimazonen. Das globale Klima war so
warm, dass die Polgebiete eisfrei waren. Die Antarktis hatte feuchtes Klima
(Kohlevorkommen).
Gegen Ende des Jura wurde das Klima zunehmend trockener. Während der späten Jurazeit
begann sich das Klima grundlegend zu verändern. Der Superkontinent Pangäa fing an
langsam auseinander zubrechen. Im Innern des Superkontinentes Pangäa war es nicht mehr
so trocken. Gelegentlich kam es zu verbreiteten Schneefällen und längeren Frostperioden
in den Polarregionen. Das Klima war zu Beginn der Kreide ausgeglichen warmfeucht, aber
nicht warm genug, um ein ausgedehntes Riffwachstum zu begünstigen. Vereisungsspuren sind
bislang nicht bekannt. In der Übergangszeit zum Tertiär wurde es wesentlich kühler.
Fossilien:
Leitfossilien:
Ammoniten, Foraminiferen, Radiolarien, Calpionellen
Pflanzen:
Mesophytikum Es gibt kaum noch gesteinsbildende Kalkalgen. Das Formenspektrum der
Landpflanzen reicht von den Farnen über die Cycadophyten bis zu den Koniferen und
Gingkophyten. Die Tendenz aus der späten Trias zur Entwicklung von eigenartigen
Nacktsamern mit blütenpflanzenähnlichen Merkmalen geht weiter.
Tiere:
Die Dinosaurier erreichen eine enorme Artenvielfalt mit den größten Landtieren aller
Zeiten. Es gibt Saurischier und Ornithischier. Ganz unauffällig und klein bleiben
dagegen die frühen Säugetiere (rattengroß). Die Fisch- und Flossenechsen sowie die
Ammoniten erreichen den Höhepunkt ihrer Entwicklung. Häufig sind auch große
"Donnerkeile", die Fossilreste der tintenfisch-artigen Belemniten. Den
Lebensraum Luft beherrschen die Flugsaurier (Pterosauria) und der Urvogel Archaeopteryx.
In den Lagunen leben noch urtümliche Fische (Holostei) zusammen mit ersten modernen
Knochenfischen (Teleostei). Marin findet man erste planktische
Foraminiferen (Globegerinaceen),
Radiolarien, Calpionellen, riffbildende Schwämme (eher kieselig als kalkig),
im Malm riffbildende Hexakorallen, Muscheln,
Terebrateln, Crinoiden und pentamere Echinodermen. Das Malm ist die große Epoche der
Riff- und Karbonatbildner.
Riffbildner: Korallen, Schwämme, Stromatoporen
Typische Gesteinsserien:
Ammonitico Rosso (roter Liaskalk): Dies ist ein rötlicher Knollenkalk, der häufig
als Baustoff verwendet wird. Es sind neben Ammoniten auch Seeigel, Belemniten,
Crinoiden und Foraminiferen enthalten. Es herrschten bei der Ablagerung gut durchlüftete
Bedingungen (rote Farbe). Die Sedimentation fand über überfluteten Triasplattformen statt.
Es gab starke Bodenströmungen, die zur ersten Zementation und damit verbundener
Knollenbildung führte. Um einen Keim (verwesender Organismus mit höherem pH) bildeten
sich Knöllchen.
Die Kalkknöllchen wurden exhumiert und Fe und Mn lagerten sich als schwarze Kruste
darum an. Bei längerer Dauer bildete sich ein Hartgrund. Durch Änderung der
Strömungsgeschwindigkeit lagerte sich eine Schicht Kalkschlamm aus Coccolithophoriden
ab, die von einer neuen Knollenschicht überlagert wurde. Bei einer nachfolgenden
Versenkung mit Kompaktion und Drucklösung entstehen Knollenflaserkalke. An der
Grenze Oxford/Kimmeridge kommt es zur „Ruhpoldinger Wende“. Dies ist ein Wechsel von
silikatischen Sedimenten (Radiolarite) zu schneeweißen pelagischen Sedimenten
(Malmaptychenkalk). Der weiße Kalk kommt von sich plötzlich stark ausbreitenden
Coccolithophoriden. Dies führt zu einer Absenkung der CCD von 2,5 auf 4,5 km Tiefe.
Im Lias und Dogger war die Karbonatsedimentationsrate um eine Zehnerpotenz niedriger
als heute (heute 3-5 cm/ka).
Literatur
Faupl,P. (2000): Historische Geologie.-UTB, Wilhelm Fink Verlag, 270 S.
Krömmelbein, K. (1991): Brinkmanns Abriss der Geologie, Historische Geologie.- Enke Verlag, 404 S.
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