Kambrium (545 bis 495 Ma)
Herkunft des Namens:
Cambria = römische Bezeichnung für Nordwales
Paläogeographie global:
Rodinia zerfiel zum Ende des Präkambriums und die Kontinente drifteten
auseinander. Die Südkontinente (Südamerika, Antarktis, Australien, Indien und
Afrika) hingen fast vollständig zusammen und bildeten den Großkontinent Gondwana.
Demgegenüber waren die Kontinente der Norderde Laurentia, Fennosarmatia und Sibiria
noch getrennt. Laurentia wurde durch den Iapetus-Ozean von Fennosarmatia getrennt.
Zwischen Laurentia und Gondwana lag die Prototethys (Törnquist-Ozean).
Zwischen Fennosarmatia und Gondwana lag der Rhea-Ozean. Mächtige
Flachwasserablagerungen aus karbonatischen Gesteinen und riffähnliche, von
Archaeocyathiden gebildete Strukturen belegen, dass Teile Sibiriens, Kanadas und
Nordamerikas sowie die Antarktis am Äquator lagen. Der nordwestliche Teil Afrikas
und Ur-Mitteleuropa lagen zu dieser Zeit als Teile Gondwanas über dem magnetischen
Südpol. Der Übergang vom Proterozoikum zum Kambrium ist nur selten aufgeschlossen, da
es aufgrund eines extremen Meeresspiegeltiefstandes durch Vereisungen kaum zu
Sedimentation kam. Es folgte ein Meeresspiegelanstieg mit Hochstand am Ende des
Mittel-Kambriums.
Paläogeographie Mitteleuropa:
Im Norden Europas wurde der Baltische Schild von einem Flachmeer überflutet.
Nord- (Laurentia) und Mitteleuropa (Gondwana) gehörten zwei verschiedenen
Kontinentschollen an. Sie lagen beide auf der Südhalbkugel und waren vom Meer bedeckt.
Orogenese:
Zwischen 650 und 550 Ma fand die cadomische (= baikalische, = assyntische,
= panafrikanische) Orogenese statt.
Klima:
Das Klima im Kambrium war weltweit sehr heiß, die Pole waren
ganzjährig eisfrei.Auf allen Kontinenten gab es ausgedehnte Wüsten (Trockenzonen)
mit Evaporitbildungen. Großräumige Meeresüberflutungen hatten einen Höhepunkt im
Mittel-Kambrium. Das Klima war feucht und wurde zunehmend wärmer.
Fossilien:
Leitfossilien: Archaeocyathiden, Trilobiten (Unterkambrium: Olenellus, Holmia,
Redlichia; Mittelkambrium: Paradoxides; Oberkambrium: Agnostus, Olenus).
Pflanzen: Eophytikum (Vorherrschaft der Algen). In den Flachmeeren gab es eine
reiche Lebewelt verschiedenster, z.T. schon hoch entwickelter vielzelliger Algen mit
Zelldifferenzierung ("Thallophyten") wie Rotalgen (Corallinaceen), Grünalgen
(Dasycladaceen, Codiaceen), Braunalgen usw., auf den Kontinenten aber vermutlich nur
Bakterien und Pilze, evtl. schon Moose (?), aber wohl noch keine Gefäßpflanzen.
Tiere: Das Kambrium begann mit dem Erscheinen skeletttragender Organismen. Früher
wurde die Untergrenze des Kambriums anhand des ersten Auftretens von
Trilobiten festgelegt. Inzwischen sind jedoch
ältere schalentragende Tiere bekannt (small shelly fossils). Die Organismen des
Kambriums lebten fast ausschließlich im Meer. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden,
dass es auch bereits einige Organismen in Seen oder Flüssen gab.
Im flachmarinen Bereich ereignete sich die kambrische Explosion der wirbellosen
Tiere mit rapide steigender Diversität und der Entwicklung vieler dann später im
Verlaufe des Altpaläozoikums wieder ausgestorbener Großgruppen (Experimentierphase
des Kambrium, kambrische Fauna, bekannt v.a. durch die
Burgess-Schiefer (Kanada)
und die Chenjiang-Schichten).
Den Hauptteil der marinen Fauna bildeten die
Trilobiten (60%) mit steigender Diversität in seinem Verlauf und Höhepunkt
im Oberkambrium. Am Ende stand ein mehrphasiges Aussterben innerhalb einiger Familien.
Die Brachiopoden (30%) gehören zu den ältesten
fossil belegten Metazoen, nachgewiesen schon ab dem unteren Unterkambrium und somit vor
den ersten Trilobiten. Vorläufer, noch ohne Hartschale, waren damit wahrscheinlich schon
im späten Präkambrium existent. Im Kambrium dominierten die inartikulaten Korallen mit
chitinphosphatischer Schale, mit einer Radiation im unteren Kambrium.
Auch erste Artikulaten (alle mit Kalkschale und Schloss) entwickelten sich. Im
Oberkambrium finden sich allererste tabulate Korallen. Auch die ältesten
Gastropoden
(Bellerophon) und Cephalopoden stammen
aus dem oberen Kambrium. Sehr einfach gebaute, primitive Nautiloideen mit gekammertem,
gestrecktem Gehäuse und zentralem Sipho. Einige primitive Echinodermengruppen kamen
bereits seit dem Mittelkambrium vor, erlangten jedoch noch kaum Bedeutung. Die
Graptolithen begannen im Oberkambrium.
In den letzten Jahren sind erste primitive Wirbeltiere schon aus dem Kambrium bekannt
geworden. Des weiteren gab es Ostracoden und Conodonten. Hinweise auf terrestrisches
Leben fehlen. Als ichtigste Gesteinsbilder traten die kalkabscheidenden Cyanophyceen auf.
Desweiteren gab es Protozoen (Foraminiferen,
Radiolarien) und Crustaceen. Auch traten die ersten benthischen Foraminiferen auf.
Am Ende des Unterkambriums kam es zum Aussterben der Archaeocyathiden. Im Oberkambrium
kam es zur Verbreitung mit nachfolgendem Massensterben der Nautiloideen. Auch bei den
Trilobiten fand ein Massensterben statt.
Riffbildner: Archaeocyathiden (Reefmounds)
Typische Gesteinsserien:
In Mitteleuropa kam es zur Bildung von terrigenen Sedimenten und
Archaeocyathidenkalken.
Literatur
Faupl,P. (2000): Historische Geologie.-UTB, Wilhelm Fink Verlag, 270 S.
Krömmelbein, K. (1991): Brinkmanns Abriss der Geologie, Historische Geologie.- Enke Verlag, 404 S.
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