Karbon (354 bis 290 Ma)
Herkunft des Namens:
Carbo = Kohle
Paläogeographie global:
Laurussia liegt am Äquator. Zwischen Laurussia und Gondwana liegt ein Meeresraum mit
Terranes. Schon im Devon kam es zur Kollision zwischen den Terranes, aber im Karbon kam
es zur Fortsetzung dieser Konvergenz zwischen Laurussia und Gondwana mit Höhepunkt an der
Wende Unterkarbon/Oberkarbon. Dies repräsentiert die variszische Orogenese in Europa.
Dabei werden in Mitteleuropa und Nordamerika riesige Gebirge aufgefaltet.
Starke Klimakontraste gegen Ende des Karbons führen zur Vergletscherung großer Teile
von Afrika, Indien, Australien und der Antarktis (permo-karbonische Vereisung), während
Mitteleuropa im Tropengürtel liegt. In dieser Periode wurden gewaltige Kohleflöze
gebildet, die heute zu den wichtigsten Kohlelagerstätten in Europa gehören.
Paläogeographie Mitteleuropa:
Im Unterkarbon gab es zwischen Laurussia und Gondwana Festlandschwellen. Dies waren
das Franko-Allemannisch-Böhmische Land, die Mitteldeutsche Kristallinschwelle und die
Normannische Schwelle. Das Meer transgredierte im Unterkarbon über den Südrand des
Old-Red und bildete ein Schelfmeer im Bereich der Britischen Inseln (bis Schottland).
Es kam zur Ausbildung von zwei Faziesräumen.
Die Kohlenkalk-Fazies findet man in Irland, England, Belgien, den Ardennen bis zum
linksrheinischen Schiefergebirge und Polen. Es handelt sich um Bryozoen-Riffkalke,
Schuttkalke, bioklastische Kalke und dunkle, bituminöse Kalke. Die Kulm-Fazies findet
man im Rheinischen Schiefergebirge nördlich der Mitteldeutschen Kristallinschwelle.
Sie besteht aus Posidonienschiefern und Kieselschiefern im Norden und einer Flyschfazies
im Süden (turbiditische Sandsteine, Tiefwasserkonglomerate und Olisthostrome).
Südlich der Mitteldeutschen Kristallinschwelle befand sich das saxothuringische
Becken mit ~ 3000m Kulmsedimenten. Im Oberkarbon wurden durch die variszische
Orogenese weite Teile Europas zu Festland. Durch die Kollision von Gondwana und
Laurentia wurde in mehreren Phasen (variszische Gebirgsbildung) ein bis zu 500 Kilometer
breites Gebirge aufgefaltet, das durch ganz West- und Mitteleuropa, von Spanien bis nach
Polen verlief. An seinem nördlichen Ufersaum und in festländischen Becken wuchsen im
Oberkarbon in tropischen Sümpfen und Küstenmooren riesige Wälder, aus denen später
mächtige Kohleflöze entstanden. Zwischen Europa und Afrika riss ein nach Osten offenes
schmales Meeresbecken auf. Während des Karbons kam es zu Magmatismus (eigentlich von
Devon bis Perm). Im Moldanubikum bildeten sich zahlreiche Granitplutone, im
Rhenoherzynikum nur vereinzelte (Brocken im Harz). Man unterscheidet paralische
Steinkohlenvorkommen (in subvariszischen Saumtiefen in Molassebecken im Westfal) und
limnische Steinkohlen (limnisch-fluviatile Sedimentationsbedingungen in intramontanen
Becken).
Orogenese:
Variszische Orogenese
Klima:
Ausgedehnte tropische Regenwälder bedeckten die tropischen Zonen entlang des Äquators.
Durch das Wachstum der Kontinente kam es zu Vergletscherungen. Ein ausgedehnter
Eisschild bedeckte im Namur den Südpol. Ausgedehnte Trockenzonen mit wüstenähnlichen
Charakter erstreckten sich auf der Nord- und Südhemisphäre. Starke Klimadifferenzierung
gegen Ende des Karbons führten zur Inlandsvereisung von Gondwana (permo-karbonische
Vereisung), während Mitteleuropa im Tropengürtel lag. Der Südpol lag im Bereich der
Antarktis. Durch die ausgedehnte Vergletscherung sank der Meeresspiegel weltweit sehr
stark ab.
Fossilien:
Leitfossilien: Goniatiten, Conodonten, Großforaminiferen, Korallen, Brachiopoden,
Landpflanzen im Oberkarbon von Mittel- und Westeuropa
Pflanzen: Paläophytikum (Zeitalter der Farnpflanzen). Nachdem im jüngsten Devon
üppige Wälder schon weit verbreitet und die ersten Samenpflanzen entstanden waren,
kommen nun Samenpflanzen nd Sporenpflanzen nebeneinander vor. Das Festland wird
großräumig von einer Pflanzendecke bekleidet. Es findet ein rasches Wachstum unter hoher
Feuchtigkeit (Tropenmoore) statt. Dadurch wird es auch den Tieren, deren
Nahrungsgrundlage die Pflanzen bilden, möglich, das Festland zu besiedeln. Die Wälder
im Oberkarbon bestanden aus Samenfarnen (Glossopteris), Schachtelhalmen (Calamites),
Bärlappgewächsen (Lepidodendron und Sigillaria) und Koniferen (Gymnospermen).
Tiere: Wichtige Entwicklungsfortschritte machen die Fische, die Vierfüßer und die
Pflanzen. Die altertümlichen gepanzerten Fische werden von den Knorpel- und
Knochenfischen abgelöst, aus den Amphibien entstehen die Reptilien. Auffällige
Faunenelemente sind die bis zwei Meter langen Tausendfüßer und erste flugfähige
Insekten mit bis zu 70 cm Flügelspannweite. Beide Gruppen gehören, neben den
Spinnentieren, zu den besonderen Seltenheiten unter den karbonischen Fossilien. Marine
Kalkalgen breiteten sich aus. Es gab Knorpel- und Knochenfische. Riffe waren klein und
wurden von Schwämmen, Bryozoen und Kalkalgen aufgebaut. Im Unterkarbon fand eine starke
Kalksteinbildung aus Crinoiden, Bryozoen und
Foraminiferen (Fusulinen) statt.
Riffbildner im Unterkarbon: Bryozoen und im Oberkarbon: Algen
Typische Gesteinsserien:
Im Unterkarbon kam es zur Transgression mit Bildung warmer Kontinentalmeere und
Kalksteinsedimentation. An der Wende Unter-/Oberkarbon kam es zur Regression mit
Massensterben. Nach der variszischen Orogenese fand die Kohlebildung statt. Oft findet
man eine rhythmische Wechsellagerung der Gesteine, hervorgerufen durch
Meeresspiegelschwankungen (z.B. in den Auernig-Schichten).
Literatur
Faupl,P. (2000): Historische Geologie.-UTB, Wilhelm Fink Verlag, 270 S.
Krömmelbein, K. (1991): Brinkmanns Abriss der Geologie, Historische Geologie.- Enke Verlag, 404 S.
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