Ordovizium (495 bis 443 Ma)
Herkunft des Namens:
Nach dem keltischen Stamm der Ordovizier in Wales
Paläogeographie global:
Nordafrika lag im Bereich des Südpols und wurde im jüngeren Ordovizium von
einem Eisschild bedeckt (Sahara-Vereisung). Fennosarmatia driftete in niedrigere Breiten.
Zwischen Laurentia und Fennosarmatia lag der Iapetus-Ozean. Zwischen Fennosarmatia und
Gondwana lag der Rhea-Ozean.
Paläogeographie Mitteleuropa:
Mitteleuropa gehörte zu Laurentia und wurde vom flachen Wasser des Törnquist-Meeres
und vom tiefen Wasser der Paläotethys umschlossen, während Südeuropa zu Gondwana
gehörte und im Bereich eines sehr tiefen Meeresbeckens lag. Weite Teile Osteuropas
und Asiens lagen im Bereich des Äquators. Im Bereich des späteren Urals bildete sich
ein großer Sedimentationstrog (Geosynklinale). In Mitteleuropa kam es zur Bildung
terrigener Sedimente.
Orogenese:
Die kaledonische Orogenese entwickelte sich aus der Kollision der drei Kontinente
Laurentia, Fennosarmatia und Gondwana. Die Faltung wurde im Ordovizium eingeleitet,
die Hauptfaltungsphase lag jedoch im Oberen Silur.
Klima:
Das Klima war weltweit sehr warm und tropisch feucht. Vielleicht sogar die wärmste
Klimaepoche unseres Planeten. Quer durch alle Kontinente erstreckten sich breite
tropische Meeresarme. Die Pole waren im Mittelordovizium ganzjährig eisfrei. In
Laurentia und Sibiria herrschte überwiegend tropisches Klima. Hier bildeten sich
erste Korallen-Riffrasen aus.
In den flachen Lagunen wird Meerwasser eingedampft, so dass sich
Dolomit-Gips-Salz-Folgen (Evaporite) abscheiden. Der Südpol liegt im Nordwesten Afrikas.
Gletscherspuren im östlichen Südamerika bzw. westlichen Afrika belegen eine
Inlandsvereisung. Im Osten von Nordamerika enthalten die im jüngeren Ordovizium
entstandenen, mächtigen Deltasandsteine Hinweise auf erste echte Landorganismen
(fossile Böden und Pflanzenreste). Auf diese warme Periode folgen gegen Ende des
Ordoviziums vier Eiszeiten.
Fossilien:
Leitfossilien: Graptolithen, Trilobiten, articulate Brachiopoden, Conodonten
Pflanzen: Eophytikum (Vorherrschaft der Algen). Im Ordovizium fand die phytische
Ära des Proterophytikums zunächst ihre Fortsetzung. In den Flachmeeren gab es wie im
Kambrium eine reiche Lebewelt verschiedenster vielzelliger Algen mit Zelldifferenzierung
("Thallophyten") wie Rotalgen, Grünalgen (Dasycladaceen, Codiaceen),
Braunalgen usw.. Im Oberordovizium der Sahara fanden sich erste Reste möglicher
Landpflanzen. Von den meisten Paläobotanikern werden sie nicht als gesicherte Reste
von Gefäßpflanzen anerkannt, sondern z.B. zu den Lebermoosen gestellt. Wenn es sich
hierbei wirklich um Landpflanzen handelt, wäre das der Beginn der phytischen Ära des
Paläophytikums (Dominanz der Sporenpflanzen).
Tiere: Auch im Ordovizium gab es auf den Kontinenten noch keine Tiere, allerhöchstens
sehr primitive Arthropoden (bisher keine direkten Nachweise). Im marinen Bereich fand
nach der Experimentierphase des Kambriums die ordovizische Radiation der marinen
Invertebraten statt, d.h. es entwickelten sich fast all die dann später bis zum Ende
des Perms typischen paläozoischen Faunengruppen. Am Ende des Ordoviziums stand eines der
fünf größten Massensterben des Phanerozoikums, parallel zur oberordovizischen Vereisung.
Betroffen waren vor allem benthonische Flachwassergruppen wie die
Trilobiten und
Brachiopoden. Es entwickelte sich im ältesten Ordovizium eine Fülle neuer Baupläne.
Der entscheidende Fortschritt war der Übergang vom sessilen zum planktischen oder
pseudoplanktischen Leben, wodurch die Graptolithen einen völlig neuen Lebensraum, die
offenen Ozeane, gewannen, in denen sich eine explosive Entfaltung vollzog. Der Übergang
zu den eigentlichen Graptoloidea (mit monomorphen Theken) fand im Arenig statt, als die
größte Formenfülle der Graptolithen herrschte (Hauptradiation).
Ab dem Llandeilo nahm die Gattungszahl, nicht aber die Häufigkeit wieder deutlich
ab. Zu Anfang des Ordoviziums herrschten noch büschelige und mehrästige, danach
zweiästige und später einästige Kolonien mit beidseitigen Thecen vor. Möglich ist eine
sehr genaue Biostratigraphie, jedoch fast nur in sogenannten
"Schwarzschiefern". Die Trilobiten,
obwohl noch sehr formenreich, waren als typische Vertreter der "kambrischen
Fauna" in langsamem Rückgang begriffen (sinkende Diversität im Verlaufe
des Ordoviziums). Sie sind nur noch Parastratigraphen im küstennahen Bereich und
durchlitten ein sehr starkes Aussterben im Oberordovizium. Die artikulaten
Brachiopoden erlebten eine bedeutende
Radiation im unteren Ordovizium. Orthiden, Pentameriden und Strophomeniden dominierten
in vielen Gattungen und sind gute Parastratigraphen im küstennahen Bereich. Auch sie
erlitten aber ein sehr starkes Aussterben im Oberordovizium. Die Korallen durchliefen
eine erste Radiation in beiden paläozoischen Gruppen (Rugosa u. und Tabulata). Besonders
die Tabulata waren schon formenreich.
Die ältesten Muscheln sind ordovizisch.
Generell spielten Muscheln und Schnecken (im Vergleich zu den Brachiopoden) im
Ordovizium noch keine große Rolle. Es kam zu einem Höhepunkt der Diversitätsentwicklung
bei den Nautiloideen mit einem Maximum im Mittelordovizium. Als erste Echinodermengruppen
radiierten die Cystoideen und die Crinoiden sehr stark. Besonders die Cystoideen waren
für die ordovizischen Flachmeerkarbonate typisch.Auch der älteste Nachweis von (noch
seltenen) Seeigeln stammt aus dem mittleren Ordovizium. Bei den Wirbeltieren kam es zu
einer geringen Differenzierung der kieferlosen Fische (Agnathen). Diese lebten noch
ausschließlich im marinen Bereich, wohl überwiegend bodenbezogen. Es gab Bryozoenriffe.
Riffbildner: Schwämme, Korallen, Bryozoen, Algen (kleine Riffe)
Literatur
Faupl,P. (2000): Historische Geologie.-UTB, Wilhelm Fink Verlag, 270 S.
Krömmelbein, K. (1991): Brinkmanns Abriss der Geologie, Historische Geologie.- Enke Verlag, 404 S.
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