Präkambrium (4.600 bis 545 Ma)
Herkunft des Namens:
Der Name stammt von Vorkambrium.
Paläogeographie global:
Archaikum:
Vor etwa 4 Ga (Milliarden Jahre) bildete sich die erste überwiegend
simatische feste Erdkruste mit einer Mächtigkeit von ~ 3km. Sie
wurde durchströmt von granitischen und basaltischen Laven. Diese
Flut anorogener Granite ist typisch für das Archaikum. Sie entstand
durch Fraktionierungsvorgänge im oberen Mantel. Eine Bildung der
ersten Protokontinente fand statt.
Die Erde war zu etwa 1/3 mit kontinentaler Kruste bedeckt.
Es bestanden vermutlich mehr und kleinere Schollen als heute.
Es gab einen höheren Wärmestrom und damit erhöhte Mantelkonvektion und
verstärkte Krustenmobilität (Permobile Ära der Erdgeschichte).
Die mafische Kruste wurde subduziert und es kam zur partiellen Anatexis
felsischer Minerale, was zur Produktion felsischer Magmen führte.
Proterozoikum:
Schottland und Afrika lagen in hohen Paläobreiten. S-Norwegen, E-Grönland
und SW-Australien zeigen äquatornahe Pollagen. Radiometrisch datierte
Vereisungen fallen mit Orogenesen zusammen. Die Koinzidenz der Daten bei
~ 2.000 Ma, 1.100 Ma und 600 Ma kann für eine Kollision der Kontinente sprechen.
Bei 1.100 Ma kam es zur Bildung eines mesoproterozoischen Superkontinents (Rodinia)
und eines neoproterozoischen Superkontinents (Vendia) im jüngsten Proterozoikum
bei ~ 600 Ma. Hinweise dafür sind:
- paläomagnetische Daten
- radiometrische Altersdaten
- tektonische Daten über Streichen und Fallen
- proterozoische Gebirge sind an heutigen Küsten abgeschnitten und müssen
sich demnach irgendwohin fortgesetzt haben
Am Ende des Präkambriums gab es fünf Kratone:
- Laurentia (Nordamerika, Grönland, W-Norwegen, N-Schottland, NW-Irland)
- Fennosarmatia (Europa, Neuengland, SE-Neufundland)
- Sibiria (Sibirien)
- Cathaysia (= Sinia) (China, Korea, Vietnam, gesamte E-asiatische Inselwelt)
- Gondwana (S- und Mittelamerika, Afrika, Arabien, Madagaskar, Indien,Ceylon,
Antarktis, Australien, Neuseeland, Neukaledonien, Neuguinea, Florida,S-Europa)
Sie waren am Ende des Präkambriums zum Großkontinent Gondwana vereinigt.
Paläogeographie Mitteleuropa:
In Mitteleuropa ist heute keine zusammenhängende präkambrische
Kristallinbasis erhalten. Reste einer solchen finden sich in der Bretagne
und eventuell in der Böhmischen Masse (Moldanubikum). Jüngere präkambrische
Sedimente findet man metamorph in den Sudeten, der Lausitz, im Erzgebirge,
in Thüringen, im Schwarzwald, in den Vogesen, im französischen Zentralmassiv
und in Spanien. In Schottland findet man 6000 m mächtige Rotsedimente des
Jungproterozoikums. Vier archaische Schilde in Europa sind Anabar und Aldan
(Sibirische Plattform), das Ukrainische Massiv (Russische Plattform) und der
Baltische Schild (Skandinavien). Am Ende des Proterozoikums kam es zur cadomischen
Faltung.
Orogenese:
- 1000 Ma (spätarchaisch bis frühproterozoisch): prä-grenvillian
(z.B. Belomoriden, Saamiden)
- 1100 bis 850 (mittelproterozoisch): grenvillian – dalslandian
(Laurentia + Baltica (Fennoscandia)ergibt Protolaurasia)
- 650 bis 500 (spätproterozoisch bis frühkambrisch): cadomisch
Es kam am Ende des Präkambrium zur Kollision der Sibirischen mit der
Russischen Plattform unter Bildung des Urals.
Klima:
Das Klima im Präkambrium ist der Wissenschaft noch relativ unbekannt.
Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass es sehr warm und heiß gewesen sein muss.
An den Polen gibt es zu dieser Zeit keine Spuren von Vereisung.
In den Meeren gibt es schon einfaches Leben. Die Wassertemperaturen dürften
bei 28 bis 30°C gelegen haben.
Die Ur-Atmosphäre war vorwiegend zusammengesetzt aus Wasserdampf,
Wasserstoff, Chlorwasserstoff, Kohlenmonoxid, Stickstoff und Kohlendioxid,
was man aus der Zusammensetzung der Gase heutiger Vulkanausbrüche ableitet.
Freier Sauerstoff fehlte noch.
Archaikum:
Im Archaikum gab es eine sauerstofffreie Atmosphäre, da Sauerstoff sich erst mit
Entwicklung des Lebens gebildet hat. Reaktionen in der Uratmosphäre
(photochemische Dissoziation):
- Zerlegung von Wasserdampf in Wasserstoff und Sauerstoff:
2H2O + UV-Strahlung ergibt 2H2 + O2(H2
entweicht ins All)
- Neu entstandenes O2 reagiert mit Methan und bildet
Kohlendioxid und Wasserdampf:
2O2 + CH4 ergibt CO2 + 2H2O
- Sauerstoff reagiert auch mit Ammoniak unter Bildung von Stickstoff und Wasser:
4NH3 + 3O2 ergibt 2N2 + 6H2O
- Sauerstoff reichert sich also zunächst nicht an, sondern geht neue
Verbindungen ein.
Häufige Spuren von Vereisungen gibt es zwischen 1.000 und 600 Ma.
In Afrika gab es mindestens fünf Vereisungsperioden. Atlantische Vereisungen
zeigen bei 670 bis 550 Ma die Varanger-Eiszeit an. Zur Entstehung einer
sauerstoffreichen Atmosphäre kam es wahrscheinlich bei ~ 2.000 Ma. Hinweise
dafür sind:
- erste bekannte Paläo-Böden
- Häufung der Red Beds (oxidierende Verwitterung)
- Wahrscheinlich sprunghafter Anstieg der Bildungsrate von BIFs
- Keine Bildung von U-Au-Konglomeraten, die nur ohne Sauerstoff abgelagert
werden können.
Im jüngeren Proterozoikum (1.900 Ma) wurde ein Sauerstoffgehalt von 1%
des heutigen O2-Gehaltes erreicht (Pasteur-Pegel). Dies ist die
Vorraussetzung für den Übergang zur Sauerstoffatmung. Im Jungpräkambrium fand
eine Klimadifferenzierung statt, die sich in der Ablagerung biogener Kalke
widerspiegelt (Voraussetzung: warme Meere). Ab 1.900 Ma entstanden
Stromatolithenkarbonate und Gesteine aus oxidativer Verwitterung (Red Beds).
Fossilien:
Archaikum:
Die Entstehung des Lebens wird entweder auf eine Ursuppe oder auf
Meteoriten (Panspermie) zurückgeführt. Im Präkambrium kam es zur Bildung
erster komplexer organischer Verbindungen. Es handelte sich dabei um primitive
Lebensformen ohne überlieferbare Hartteile.
- 3.800 Ma: Es gibt 3.800 Ma alte Gesteine von Isua, Grönland, die einzellige ??
Lebewesen zeigen.
- 3.560 Ma: Im Warrawoona Grünsteingürtel treten stromatolithartige Strukturen
auf, die mit 3.560 Ma datiert wurden. Älteste bekannte Cyanophyceen aus SW-Australien.
Sie enthalten Chlorophyll.
- 3.300 Ma: Erste procaryote (zellkernlose) Organismen traten vor ca.
3.300 – 3.000 Ma auf (z.B. Grönland und Rhodesien, Spuren von Blau-Grünalgen).
Reaktion der Photosynthese:
6CO2 + 6H2O + Licht ergibt 6O2 + C6H
12O6 (Traubenzucker)
Proterozoikum:
Die ältesten sicher bestimmten Eukaryonten aus N-China (N-Gelber Fluss) sind
mehrere mm lange eukaryontische Algen, die auf 1.800 Ma datiert wurden. Zu diesen
ältesten Eukaryonten zählen die Acritarchen (2 Ga Gunflint Formation, Kanada).
Zwischen 670 und 550 Ma trat die Ediacara-Fauna auf (Ediacara Hills der Flinders
Ranges in SW-Australien). Sie setzte sich zusammen aus:
- 67% Cnidaria
- 25% Annelida
- 5% Arthropoda
- 3% ungewisser Zuordnung
Sie besaßen keinen Kalk- oder Chitinpanzer. Gegen Ende der Epoche traten
auch erste inarticulate hornschalige Brachiopoden auf.
Typische Gesteinsserien:
Archaikum:
Archaische Gesteine treten oft in Alten Schilden (Kratone) auf. Diese findet
man auf allen Kontinenten. Es gibt früh-präkambrische ultramafische Gesteine,
deren Extrusionstemperaturen um 400°C höher lagen als heute. Bandered Ironstone
Formation (BIF) konnte nur in schwach sauerstoffhaltiger Atmosphäre entstehen,
da Eisen sonst komplett aufoxidiert. Das Eisen liegt in verschiedenen
Oxidationsstufen vor und spricht für verschiedene Sauerstoffbedingungen in
den entsprechenden Ablagerungsräumen.
- Archaische hochmetamorphe Gebiete: Die Archean high grade regions nehmen
weite Flächen auf der Erde ein. Ihr Alter liegt bei 3.800 bis 2.500 Ma und sie
bestehen hauptsächlich aus Gneisen und Migmatiten (Biotit-Plagioklas-Gneise und
Migmatite aus Na-reichen Magmen, gegen Ende des Archaikum K-reiche Granite). Sie
sind teilweise als ehemalige Sedimente zu erkennen, obwohl sie eine
Hochtemperaturmetamorphose durchgemacht haben. Beispiel: Isua (Grönland)
- Mobile Zonen: Diese mobile belts sind präkambrische metamorphe Gürtel mit
mittel- bis hochgradiger Metamorphose, Deformation und möglicher Aufarbeitung
älterer Kruste. Beispiel: Limpopo Gürtel (südliches Afrika)
- Grünsteingürtel: Greenstone belts sind langgestreckte, gürtelartige oder
irregulär geformte vulkanosedimentäre Becken in einer Umgebung aus Granit-Gneis-Arealen.
Die vulkanischen Gesteine haben eine peridotitische und basaltische Zusammensetzung
(ultramafisch bis mafisch); z.B. Barberton (Südafrika), Warrawoona (Westaustralien),
Abitibi (Kanada). Charakteristisch sind Komatiite (MgO-reiche Basalte). Die
Vulkanite der Grünsteinzone haben mafische bis ultramafische Zusammensetzungen
und können sich auf ozeanischer Kruste gebildet haben (Reste der basaltischen Urkruste).
Name wegen hohem Anteil an verwitterten basischen Gesteinen mit grünen Mineralen
wie Olivin, Chlorit, Hornblende und Epidot. Im unteren Drittel der Abfolge eher
basische Vulkanite (1650°C) gefolgt von basisch-intermediär-sauren Schmelzen
(dazitisch bis rhyolitisch) und darüber Metasedimente (Kieselschiefer und Jaspilite,
nach oben hin nehmen Grauwacken und Schiefer zu). Die Sedimente weisen Rippelmarken,
Schrägschichtung und Gradierung auf, also wechselnde Ablagerung in aquatischen Becken.
Meist nur schwache metamorphe Überprägung (Grünschieferfazies). Bildung der
Grünsteingürtel hauptsächlich zwischen 2.700 und 2.800 Ma. Häufig kam es zur
Bildung von Lagerstätten. Bei den Grünsteingürtel handelt es sich vermutlich um
Reste ehemaligen Ozeanbodens.
- Aulakogene: Schmale, grabenartige, sedimentgefüllte Tröge in Kratonen.
Durch Abschiebungen begrenzt.
Im Archaikum fehlen Karbonate und Ophiolithe völlig.
Übergang Archaikum/Proterozoikum:
Es gab keinen sprunghaften Übergang. Es traten weniger komatiitische
Magmen und Greenstone Belts auf. Es kam zur Bildung flacher intermontaner
Senken mit U-Au-Konglomeraten mit detritischem, gerundetem Pyrit und Uraninit
(Uranpecherz = (U,Th)O2 mit UO3), die Sauerstoffarmut der
Atmosphäre anzeigen. Beispiel: Witwatersrand (Südafrika).
Proterozoikum:
In der Zeit von 2,3 bis 1,8 Ga lag die Hauptentstehungsphase der BIFs
(chemische Sedimente; Itabirite) an den Schelfbereichen. Es handelt sich dabei
um eine Wechsellagerung von Eisenmineralen und sedimentären Kieselgesteinen (Cherts)
oder Karbonaten (~50% SiO2 oder Karbonat, 45% Fe2O3
und 5% Rest), die 15% der frühproterozoischen Sedimente ausmachen. Die Mächtigkeit
der einzelnen Bänder liegt im mm- bis cm-Bereich (chemische Warven). Sie sprechen
für einen ruhigen und stabilen Ablagerungsraum. Die Mächtigkeit beträgt 10 bis 50m.
Die Quelle der Eisens und Art des Transports von Fe und Si sind umstritten, ebenso
wie das Ablagerungsmilieu (Frisch-, Brack-, Salzwasser) und der Einfluss genetischer
Prozesse. Beispiel: Hammersley (NW-Australien).
Im späteren Proterozoikum kam es zur Entstehung von Red Beds, Sandsteinen mit
Hämatithäutchen um die Quarzkörner.
Literatur
Faupl,P. (2000): Historische Geologie.-UTB, Wilhelm Fink Verlag, 270 S.
Krömmelbein, K. (1991): Brinkmanns Abriss der Geologie, Historische Geologie.- Enke Verlag, 404 S.
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