Quartär (1,8 Ma bis heute)
Herkunft des Namens:
Lateinisch vierte
Paläogeographie global:
Wie heute.
Paläogeographie Mitteleuropa:
Tektonische Ereignisse im Quartär waren der endgültige Aufstieg der Alpen zum
Hochgebirge, ein weiteres Einsinken des Oberrheingrabens um 350-500 m, der sachte
Aufstieg der Mittelgebirge und das Einsinken des nord- und nordwesteuropäischen
Flachlandes. Die Quartärbasis liegt in Norddeutschland über 100 m, in den Niederlanden
um 600 m unter der heutigen Landoberfläche. Skandinavien stieg durch den Wegfall der
Eislast auf.
In der Ungarischen Tiefebene zeugen 700 m mächtige Quartärsedimente von anhaltender
Absenkung. Der ab dem Miozän landfeste Ärmelkanal sank während der Eemwarmzeit und im
Holozän unter Wasser. Als das wegtauende Eis das Ostseebecken freigab, füllte es sich
mit Süßwasser und bald danach mit Salzwasser. Der quartäre Vulkanismus, an die noch
heute tätigen Vulkane gebunden, war weltweit von geringer Stärke. Die Ascheexplosion
des Laacher-See-Vulkans zur Allerrödzeit lieferte eine wichtige Zeitmarke in spätglazialen
Sedimenten Böhmens, Mitteldeutschlands und Mecklenburgs. Die auf Grabenbrüchen
angeordneten Vulkane der Gegend von Ciermont-Ferrand in der französischen Auvergne
sind infolge ihres jungen Alters ganz ausgezeichnet erhalten.
Klima:
Der französische Geologe Jules P. Francois St. Desnoyers fügte1829 einer damals
gültigen Gliederung der Erdgeschichte in Primär, Sekundär und Tertiär eine vierte,
jüngste Abteilung, als Quartär hinzu. Diese mit zwei Millionen Jahren kürzeste Periode
der Erdgeschichte wird zweigeteilt in das ältere, fast die ganze Zeit umfassende
Pleistozän, das eigentliche Eiszeitalter, und das Holozän, das die letzten 10 000
Jahre umfasst. Die im Tertiär vor sich gegangene kontinuierliche Abkühlung setzt sich
im Quartär fort. Die mittlere Jahrestemperatur erreicht an der Pliozän-Pleistozän-Grenze
etwa 10 °C, die Wassertemperaturen der Tiefsee sanken auf 1,5 °C. Sich ausdehnende
Vereisungen an den Polen, in Hochgebirgen und in Hochländern waren für Klima und
Lebewesen das bedeutendste Ereignis dieser Zeit.
Während der Eiszeiten gab es auf dem Nordatlantik große Eisflächen. Treibeisdriftete
von dort bis vor die Küsten von Portugal und Marokko. Auf der Südhalbkugel vergrößerte
sich das antarktische Inlandeis erheblich. Von hier gingen möglicherweise weltweite
eiszeitverstärkende Impulse aus. Insgesamt waren damals 33% der Festlandsfläche
(heute 10 %) vergletschert. Eine zyklische Wiederkehr von Kaltzeiten mit Eisvorstößen
und von Warm-Zeiten mit Gletscherrückgängen war charakteristisch für diese Zeit. Für
die Weltmeere bedeutete jede Kaltzeit eine Senkung des Meeresspiegels mit einem
Meeresrückgang. Während der Kaltzeiten sank die festländische Jahresmitteltemperatur um
4-12 °C, die Temperatur des Oberflächenwassers der Weltmeere um 4-7 °C. Zu Beginn des
Quartärs waren die Ostsee und weite Teile der Nordsee nicht von Meer bedeckt.
Der Rhein, die Maas und die Themse bildeten ein gemeinsames Flussdelta in
Südostengland. In der Mindel-Eiszeit erreichte das Inlandeis erstmals die Mittelgebirge
Deutschlands, danach stieg mit demzwischenzeitlichen Abschmelzen des Eises der
Meeresspiegel an, die Nordsee breitete sich über Schleswig-Holstein, die Elbe-Mündung
und die westliche Ostsee aus. Während der Riss-Eiszeit stieß das Eis von Skandinavien
kommend erneut weit nach Süden vor. In der Würm-Eiszeit war die Nordsee wieder trocken,
das Eis drang in unserer Gegend fast bis Düsseldorf vor. Vor etwa 10000 Jahren wich das
Eis endgültig wieder nach Norden zurück. In der Eifel entstanden in der letzten Phase
des Vulkanismus die Maare. Seit dem Eisrückzug ist die Ostsee ein Meer, die Schneegrenze
stieg in den Alpen um etwa 1200 Meter.
Über die Ursachen der Eiszeiten wird seit langem gestritten. Im Zusammenwirken
mehrerer Faktoren wie Schwankungen der Sonneneinstrahlung, geographische Veränderungen
durch Kontinentaldrift und Aufstieg junger Gebirge zu Hochgebirgen, Verlagerung von
Meeresströmungen und Polverschiebungen sollten die Ursachen zu suchen sein. Einmal
vorhandene Eismassen führten zu Selbstverstärkungseffekten. Auch die heutigen polaren
Eiskappen beeinflussen als Überbleibsel der Eiszeit noch immer tiefgreifend unser
heutiges Erdklima.
Fossilien:
In dieser Periode verursachten Temperaturschwankungen weltweit Kalt- und Warmzeiten.
Die Klimaschwankungen wirken sich besonders auf die Säugetiere aus. Tiere der Warmzeiten
sind in Mitteleuropa Waldelefanten, Waldnashörner, Flußpferde, Wasserbüffel und Makaken;
in den Kaltzeiten herrschen Steppenelefanten, Wollhaarnashörner, Saiga-Antilopen,
Rentiere und Moschusochsen vor. Die Trennung in kalt- und warmzeitliche Faunen verschärft
sich mit dem Fortschreiten des Quartärs. Die Pflanzengesellschaften können, anders als in
Nordamerika, nicht nach Süden (Alpen, Mittelmeer) auswandern und werden in den Eiszeiten
ausgerottet. Die heutige Flora von Europa ist daher sehr verarmt.
Gegen Ende der letzten Eiszeit zieht sich auf der Nordhalbkugel die
"Kaltsteppe" zurück, und so sterben eindrucksvolle Säugetiere wie Mammut,
Wollhaarnashorn, Riesenhirsch und Steppenwisent aus, wobei jedoch der Mensch
mitgeholfen hat. Der Mensch besiedelt Mitteleuropa erstmals vor etwa 1 Million Jahren.
Der Neandertaler wird vor 30.000 - 35.000 Jahren in der letzten Kaltzeit vom heutigen
Menschen verdrängt.
Literatur
Faupl,P. (2000): Historische Geologie.-UTB, Wilhelm Fink Verlag, 270 S.
Krömmelbein, K. (1991): Brinkmanns Abriss der Geologie, Historische Geologie.- Enke Verlag, 404 S.
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