Madeira
Allgemeines zu Madeira
Das Thema meiner Diplomarbeit war die geologische Kartierung der östlichen
Landspitze Madeiras, der São Lourenço-Halbinsel. Daher war ich vom 01.08.01
bis zum 30.08.01 auf der wunderschönen Insel. Besonders reizvoll ist die Blumeninsel
für Wanderfreunde. Nicht nur die São Lourenço-Halbinsel bietet Gelegenheit zum
Wandern in einer traumhaften Umgebung, sondern auch das zentrale Gebirge der Insel.
Strand sucht man auf Madeira allerdings vergeblich, dafür muss man sich schon mit den
regelmäßig verkehrenden Fähren oder Flugzeugen zur Nachbarinsel Porto Santo begeben.
Die Inseln des Madeira Archipels befinden sich im zentralen Ostatlantik bei
32°N 17°W am südwestlichen Ende des Madeira-Tore-Rückens. Der Madeira Archipel
besteht aus Madeira im Westen, Porto Santo im Nordosten und den drei Desertas-Inseln
im Südosten. Madeira und die Desertas-Inseln bilden die Spitze einer topographischen
Schwelle mit einer Lithosphärenmächtigkeit von ~ 100 km. Sie werden von Porto Santo
durch einen ~ 2000 m tiefen Graben getrennt. Madeira hat eine Fläche von 728 km²
mit dem Pico Ruivo de Santana als höchstem Punkt mit 1861 m über dem Meeresspiegel.

Bathymetrische Karte zur Lage des Madeira Archipels und der Madeira-Hotspotspur (nach Geldmacher et al. 2000)
Geologie Madeira's
Der Madeira Archipel ist Teil einer mehr als 70 Ma (Millionen Jahre)alten Hotspotspur,
die sich nach Nordosten in mehr als 20 größeren Seamounts wie Seine, Unicorn, Ampere,
Coral Patch und Ormonde fortsetzt und dem auch der Serra da Monchique-Komplex in
Portugal zugeordnet wird (Geldmacher et al., 2000). Im Bereich des Madeira Archipels
tritt in mehr als 500 km Tiefe eine S-Wellen-Anomalie auf. Diese anomale Schicht
produziert durch ihre Destabilisation einen Manteldiapir, der für die Bildung des
Madeira-Hotspots verantwortlich sein kann (Hoernle et al., 1995, Granet et al., 1995,
Wilson, 1997). Als erste der drei Inseln des Madeira-Archipels entstand Porto Santo
vor 11,1 bis 14,3 Ma (Geldmacher et al., 2000). Madeira und die Desertas-Inseln werden
einem Riftsystem zugeordnet, dessen vulkanische Aktivität zwischen beiden Regionen
wechselte. Nach Geldmacher et al., (2000) kann eine Unterteilung in vier
Hauptentwicklungsphasen vorgenommen werden:
Schildphase: (>4,6 – 0,7 Ma)
Frühe Madeira-Riftphase: (>4,6 – 3,9 Ma)
In dieser ersten Phase entwickelte sich ein ost-west-orientiertes Riftsystem,
das durch den Verlauf von Gängen und der Anordnung von Eruptionszentren in der
östlichen Hälfte Madeiras definiert ist. Die Basiseinheit Madeiras umfasst eine
submarine Basis und subaerische Gesteine. Die submarine Basis macht annähernd 98 %
des vulkanischen Komplexes der Madeira-Gruppe aus. Es fanden Eruptionen
alkalibasaltischer Magmen mit Eruptionsraten von ~ 150 km³/Ma statt.
Desertas-Riftphase: (3,6 – 3,2 Ma)
Während dieser Zeit war vulkanische Aktivität auf Madeira selbst nicht nachweisbar,
sondern beschränkte sich in erster Linie auf die Desertas-Inseln. Diese Verschiebung
des Vulkanismus kann möglicherweise auf einen Flankenkollaps im nordöstlichen Bereich
des Madeira-Riftarms zurückgeführt werden. Die Eruptionsraten sanken im Vergleich zum
frühen Stadium auf ~ 20 km³/Ma herab. Es wurden alkalibasaltische, ankaramitische und
pikritische Laven gefördert.
Späte Madeira-Riftphase: (3,0 – 0,7 Ma)
Die vulkanische Hauptaktivität lag in dem ost-west-streichenden Riftsystem in der
Zentralregion Madeiras. Zwischen dieser Phase und der Frühen Madeira-Riftphase liegt
eine Erosionsdiskordanz. Die Eruptionsraten stiegen auf 100 km³/Ma an und führten zur
Bildung von Lavastromeinheiten mit Mächtigkeiten bis 500 m mit alkalibasaltischer bis
basaltischer und mugearitischer bis trachytischer Zusammensetzung.
Posterosions-Phase: (<0,7 Ma)
In dieser Phase entstanden Schlackekegel und Lavaströme mit basanitischer und
pikritischer Zusammensetzung, vor allem im östlichen Teil Madeiras. Diese scheinbare
Westwärtsverlagerung der vulkanischen Aktivität bildet möglicherweise die Bewegung der
Afrikanischen Platte nach Nordosten ab. Die Ablagerungen des Posterosionsstadiums
zeigen eine deutliche Diskordanz zu den älteren Einheiten und wurden nach einer
längeren Phase der Erosion abgelagert. Die Dauer dieser Erosionsphase ist nicht
bekannt, da keine Daten darüber vorliegen.
Die Laven des Schildstadiums umfassen 99,5 % des vulkanischen Komplexes der
Madeira/Desertas-Gruppe während die übrigen 0,5 Vol% dem Posterosionsstadium
zugeordnet werden können (Geldmacher et al., 2000). Bisher ist wenig über die
Entwicklungsphasen der São Lourenço Halbinsel bekannt.
Geologische Karte der São Lourenço-Halbinsel:

Literatur
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