Silur (443 bis 417 Ma)
Silur (443 bis 417 Ma)
Herkunft des Namens:
Nach dem keltischen Stamm der Silurer in Shropshire/England
Paläogeographie global:
Bei der Kollision des Nordamerikanischen mit dem Osteuropäischen Kraton wurde der
Iapetus-Ozean subduziert. Es entstand das Gebirgssystem der Kaledoniden unter Bildung
des Kontinents Laurussia (=Euramerika) in äquatorialer Lage. Es kam dort zur
Sedimentation von Karbonaten und zur Bildung silurischer Riffe.
Paläogeographie Mitteleuropa:
Die kaledonische Orogenese erfasste weite Teile West- und Nordeuropas
(Schottland, Schweden, Norwegen) sowie Nordamerika, Grönland und Spitzbergen. Es
kam zur Bildung von Graptolithenschiefern und Kalken.
Orogenese:
Es fand die erste große paläozoische Gebirgsbildung statt. Dies war die kaledonische
Orogenese.
Klima:
Ein tropisches Flachmeer mit unzähligen Korallenriffen erstreckte sich unter
einen azurblauen Himmel über weite Teile Nordamerikas und Nordeuropa. Auf dem
Südpol gab es gelegentliche kurzfristige Vereisungen in den Wintermonaten. Das
Festland war teilweise sehr trocken und absolut pflanzenlos. Das warme Klima führt
wie im Ordovizium zu weiträumigen Meeresüberflutungen. Als Zeugen für ein entsprechendes
Klima sind ausgedehnte Salzablagerungen im Bereich der äquatorialen Kontinente
(Nordamerika, Sibirien) sowie mächtige Riff-Ablagerungen in den warmen Flachmeeren
(Gotland, Australien) anzusehen.
Fossilien:
Leitfossilien: Graptolithen (Monograpten), Trilobiten, Brachiopoden, Conodonten
Pflanzen: Eophytikum (Vorherrschaft der Algen). Im Silur liegt der zumindest
gesicherte (evtl. schon Ordovizium?) Beginn der phytischen Ära des Paläophytikums
(Dominanz der Sporenpflanzen) mit zunehmendem Auftreten und Diversität von primitiven
Gefäßpflanzen, den Psilophyta (Urfarnen). Zu den bereits seit dem Oberordovizium
vorkommenden Fossilien treten Reste echter Gefäße, erste sichere Pilze, schließlich
auch verschiedenste Makroreste von Psilophyten und Armleuchteralgen. Das wirkliche
Vorkommen der silurischen Psilophyta auf dem festen Land ist aber nach manchen Autoren
noch nicht gesichert, auf jeden Fall kamen diese Formen noch ausschließlich an sehr
feuchten Standorten in Niederungen oder am Küstensaum vor. Der Ursprung der Psilophyta
ist ebenfalls noch ungesichert, verschiedene Algengruppen sind als Herkunft möglich.
Am wahrscheinlichsten sind primitive Vertreter der Charophyta (Armleuchteralgen).
Tiere: Auf den Kontinenten gab es noch keine Tiere. Im marinen Bereich hielt sich
nach der ordovizischen Radiation der Invertebraten die Diversität der Vertreter der
"paläozoischen Fauna" auf hohem Niveau ohne bedeutende Massenaussterben.
Bei den Korallen kam es zur weiteren Radiation der Tabulata und nun auch besonders der
Rugosa mit ihren durch Septen unterteilten Gastralräumen. Die typisch altpaläozoischen
Stromatoporen-Tabulaten-Riffsysteme entwickelten sich. Berühmte Silur-Riffe finden
sich z.B. auf Gotland. Rugose Korallen waren meist solitär, oft an Bereiche frischeren
Seewassers angepasst.
Die Muscheln und
Gastropoden entwickelten sich nur langsam mit
epibenthischen Formen weiter, waren aber (wie im Ordovizium) generell noch eher
unbedeutend. Die Nautiloideen waren in der Diversität dem Ordovizium gegenüber schon
eingeschränkt, jedoch noch recht formenreich und hatten im Silur das Maximum ihrer
Nutzbarkeit als Leitfossilien (Parastratigraphen). Bei den
Trilobiten ist nach dem oberordovizischen
Massenaussterben eine erheblich eingeschränkte Diversität zu verzeichnen, sie eignen
sich aber weiterhin als Parastratigraphen im küstennahen Bereich. Formen mit
Anpassung an das Liegen auf weichem Schlamm (Siebhauben, lange Wangenstacheln)
wurden häufig.
Weitere bedeutende Arthropoden waren die bis mehrere Meter langen Eurypteriden,
bevorzugt im Brack- und Süßwasser. Die
Brachiopoden erlebten einen Rückgang der
Diversität der im Ordovizium dominierenden Gruppen, aber eine Zunahme der Gattungen
bei den Spiriferiden und Rhynchonelliden sowie den Höhepunkt der Pentameriden. Auch
sie sind als Parastratigraphen in küstennahen Klastika und Karbonaten nützlich. Die
Echinodermen waren v.a. mit den in ihrer Bedeutung gegenüber dem Ordovizium nunmehr
abnehmenden Cystoideen und den im Gegensatz dazu sehr stark radiierenden Crinoiden
(Seelilien) vertreten.
Andere Gruppen (z.B. die Seeigel) waren noch unbedeutend. Graptolithen waren die
Orthostratigraphen. Im Silur herrschten einästige Kolonien mit nur einseitigen Thecen
(Monograptiden) sowie eingedrehte und verzweigte Modifikationen dieses Bauplansvor.
Nach der nur geringen Dokumentation von Fischen im Kambrium und Ordovizium wurden nun
die kieferlosen Agnatha häufiger und diverser. Auch erste kiefertragende Gnathostomata
sind bereits bekannt.
Literatur
Faupl,P. (2000): Historische Geologie.-UTB, Wilhelm Fink Verlag, 270 S.
Krömmelbein, K. (1991): Brinkmanns Abriss der Geologie, Historische Geologie.- Enke Verlag, 404 S.
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